Sprich, statt zu tippen
Wir haben klammheimlich eine merkwürdige Rolle übernommen: Wir sitzen gebeugt da, die Hände am Rechteck festgetackert, und geben unsere eigenen Gedanken von Hand in eine Maschine ein. Streng genommen sind wir das Eingabegerät des Computers geworden.
Dabei denken die meisten von uns schneller, als sie tippen. Die Tastatur zwingt den Gedanken in eine Warteschlange — und den Körper auf den Stuhl.
Sprechen ist näher am Denken
Reden ist älter und flüssiger als Tippen. „Laut nachdenken“ ist ein echtes Ding. Und Diktieren ist inzwischen richtig gut geworden. Der Reiz liegt nicht in der Bequemlichkeit, sondern in einer anderen Haltung: Du hörst auf abzutippen und fängst an zu dirigieren. Du sprichst die Absicht, die Technik übernimmt die mechanische Schicht, du prüfst das Ergebnis — statt es Taste für Taste selbst herzustellen.
Das befreit ganz nebenbei den Blick vom Display und den Körper vom Stuhl: Ideen lassen sich im Gehen festhalten (Stichwort Geh-Meeting).
Ehrlich bleiben
Sprache ist nicht für alles gut: für Code, für feines Redigieren, im Großraumbüro, wenn Vertrauliches nicht laut werden soll. Und es bleibt die Frage, wohin deine Audiodaten wandern — bevorzuge, was auf dem Gerät selbst verarbeitet wird. Ein Werkzeug also, keine Religion.
Probier’s diese Woche: Diktier deine nächste längere Nachricht beim Spazierengehen, statt sie am Schreibtisch zu tippen. Achte darauf, was mit deinem Rücken — und deinen Gedanken — passiert.