Artikel

Ein soziales Netz ohne Bildschirm

Jedes große soziale Netz ist um eine einzige Sache herum gebaut: deinen Blick auf einem scrollenden Bildschirm zu halten. Was, wenn man eins von der gegenteiligen Annahme aus entwerfen würde — Verbindung, die größtenteils neben dem Bildschirm passiert?

Ein paar Bauprinzipien

  • Ton zuerst: Sprachnachrichten, hörbare Zusammenfassungen — konsumierbar im Gehen, Blick frei.
  • Kein endloser Feed: endlich, asynchron, „du bist durch“ als Feature.
  • Terminiert statt ständig: ein Rückblick zur selbst gewählten Zeit, wie Post, die einmal am Tag kommt.
  • Ambiente statt Magnet: ein kleines E-Paper-Display, ein Lautsprecher, ein Licht — kein Sechs-Zoll-Sog.
  • Ehrliche Voreinstellungen: kein auf Verweildauer optimierter Algorithmus.

Die Bausteine gibt es längst: Podcasts, Sprachnachrichten, Gruppen-Audio, E-Reader, ruhige Zusammenfassungen per RSS. Man müsste nur ihren Geist zusammensetzen.

Ehrlich: die schweren Fragen

Ton lässt sich schlecht überfliegen, Moderation ist ohne Text kniffliger, und auch „Ambiente“ kann zwanghaft werden. Es wäre nicht leicht. Aber der Maßstab wäre ein anderer: Am Ende des Tages legst du es weg und fühlst dich verbunden, nicht ausgelaugt — und deine Augen waren bei der Welt, nicht bei einem Feed.

Mitdenken erwünscht: Wofür nutzt du soziale Medien eigentlich wirklich? Trenne einmal ehrlich die Verbindung von der Gewohnheit — genau dort fängt der bessere Entwurf an.