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Dieselbe Straße, dreimal

Stell dir eine ganz normale Straße vor. Und jetzt dieselbe Straße dreimal: einmal wie sie gerade wird — mit blinkenden LED-Wänden und digitalen Plakaten. Einmal mit klassischen Papierplakaten. Und einmal ganz ohne Werbung.

Zwischen diesen drei Bildern liegt eine erstaunlich große Differenz an Ruhe. Denn digitale Außenwerbung ist von allen die anstrengendste Variante: Sie bewegt sich, sie leuchtet heller, sie ist darauf gebaut, dass du eben nicht wegschauen kannst.

Was bewegte Screens mit uns machen

  • Erzwungene Aufmerksamkeit: Bewegung im Blickfeld zieht das Auge automatisch an. Man kann sich schlecht dagegen entscheiden.
  • Licht, wo Menschen wohnen: helle Flächen bis in die Nacht, direkt vor Schlafzimmerfenstern.
  • Dauerbetrieb: rund um die Uhr an, hell und energiehungrig — eine große Digitaltafel verbraucht im Jahr grob so viel Strom wie mehrere Haushalte (die Schätzungen schwanken stark). Und im Verkehr binden bewegte Tafeln den Blick nachweislich länger als normale Schilder.

Das statische Papierplakat wirkt dagegen fast zurückhaltend: Es verkauft auch, aber es bewegt sich nicht, glüht nicht und lässt sich nicht ferngesteuert im Sekundentakt austauschen.

Die werbefreie Stadt ist keine Utopie

São Paulo hat 2007 mit dem „Lei Cidade Limpa“ die Außenwerbung stadtweit verboten — Tausende Werbetafeln verschwanden, und Umfragen zufolge fand eine große Mehrheit die Stadt danach angenehmer. Auch Grenoble ließ 2014 einen großen Werbevertrag auslaufen und baute Hunderte Straßen-Werbeflächen ab; an manche Stellen kamen Bäume. Man muss nicht gleich so weit gehen. Denkbar sind bildschirmfreie Zonen (an Wohnstraßen, Schulen, Kliniken) und bildschirmfreie Zeiten (keine bewegten Displays spät in der Nacht). Die Stadt ist ein gemeinsames Zimmer. Wir dürfen mitreden, ob es uns anblinkt.

Zum Selberschauen: Geh deine Lieblingsstraße einmal im Kopf durch — welche Fläche würdest du dunkel stellen? Genau da fängt eine bildschirmfreie Zone an.